Von falschen Vorurteilen und Polen

Über Polen, das Land und die Leute, bestehen diverse Stereotypen, die meisten sind negativ  (wie z. B.: „In Polen wirst du bestohlen“; Polenwitze, in welchen die Landsleute als Dummköpfe dargestellt werden; Begriff „polnische Wirtschaft“; Wodka). Welche ich ganz und gar nicht bestätigen kann, aber mehr dazu erfahrt ihr am Schluss. 

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Halb 8 Uhr morgens in Polen

Zuerst hab ich ne kleinen Spaziergang durch die Stadt gemacht , wobei mir der Marktplatz am besten gefallen hat. Hier ein paar Bilder:

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Marienkirche am Hauptplatz
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Barbakan
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Wawel

Am nächsten Tag gings mit dem Bus weiter, denn ich wollte mir unbedingt die Gedenkstätte des Konzentrations- und Vernichtungslagers in Auschwitz ansehen, zwar nicht das schönster Erlebnis, aber da ich damals in der Schule krank war, als wir nach Dachau fuhren und ich schon in der Nähe war, hielt ich es für eine gute Idee, es mir anzusehen.

Angekommen mussten wir alle unsere Taschen abgeben und bekamen Kopfhörer in unserer jeweiligen Sprache und die Führung begann. Fotos habe ich nur wenige geschossen, da ich es nicht wirklich für angemessen hielt, in den Häusern, wo so großes Leid geschah, Fotos zu machen.

Ein Ort der Trauer, des Todes, von unglaublichen Schmerzen. Damals im Geschichtsunterricht interessiert es mich recht wenig, im Abitur als Seminararbeit „Gefangene des Zweiten Weltkrieges“ verfasst, jedoch eher wegen des Lehrers als aus Interesse, Geschichte interessierte mich nie viel.          Doch nun stand ich vor diesem Ort und ein kalter Schauen lief mir über den ganzen Körper, wenn ich an die traurigen Schicksale dort nachdachte. Kinder von Familien spielten vor diesen Gebäuden, eine Cafeteria gab es, Menschen um mich herum lachten und hatten Spaß, während ich eher still und nachdenklich, durch die Führung ging.

Insgesamt dauerte die Führung etwa 2 Stunden da wir noch nach Auschwitz II fuhren und dort kurz durchgeführt wurden. Wenn man schon in der Nähe ist, ist es definitiv wert sich die Gedenkstätte anzusehen.

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„Arbeit macht frei“- Tor

Kurze Zeit später saß ich im Bus auf den Weg nach Krakau zurück, von wo aus mein Zug aus weiter ging und versuchte irgendwie meinen Backpack im viel zu engen Bus zu verstauen. Da alle anderen Plätze belegt waren, setzte sich eine Frau mit Krücken neben mich, mit langen schwarzen haaren, wenn ich sie beschreiben müsste, wohl asiatischer Abstammung.

Auf unserer etwa 1 stündigen Fahrt begann sie ein Gespräch mit mir (natürlich auf englisch), zuerst einfachen Smalltalk, dann wollte sie mehr von mir erfahren, was ich denn hier mache & vor allem warum ich denn allein unterwegs bin?

Zum ersten Mal wurde ich damit konfrontiert, was ich lange vor mir herschob. Ich war aufgebrochen, um etwas zu finden, nämlich mich selbst. Neue Seiten an mir zu entdecken und herauszufinden, was mich glücklich macht und was ich mit meinem Leben anstellen will. 

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Bevor ich den Bus verließ, schenkte sie mir einen Geldschein, weiß zufällig jemand woher der ist?

 

Fazit: Ich habe selten so nette Menschen wie in Polen getroffen und kann über Sprüche wie „In Polen wirst du bestohlen“ nur lachen. Ich wurde auf meiner Reise zwar bestohlen, aber das war NICHT in Polen, mehr dazu erfahrt ihr in den weiteren Blogposts über meine Europareise.

 

Ein Satz ist mir dabei bis heute in Erinnerung geblieben:: „You’re a very brave girl!“. Noch viele weitere Menschen bezeichneten mich im Verlauf der Reise als mutig, doch erst heute verstehe ich  was sie meinten, im Rückblick auf meinen restlichen Weg durch Europa.

„Mutig? Ich und mutig? Bin ich mutig nur weil ich nicht in meinen Ängste lebe? Bin ich mutig, weil ich keine Angst vor dem Leben habe? Bin ich mutig, weil ich weiß Angst existiert nur in meinem Kopf, dass Angst nicht reell ist? Bin ich mutig, weil ich Angst habe und diese Angst überwinde? Was bedeutet eigentlich mutig zu sein?“


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